artibeau : kunst in bochum - umsonst und draußen

Grabplatte Heinrich Kämpchen (1989)

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Tisa von der Schulenburg (eigentlich: Elisabeth Gräfin von der Schulenburg) (1903-2001)
1989
Bronze

Heinrich Wilhelm Kämpchen (1847-1912) war Bergmann und Arbeiterdichter. Er arbeitete seit 1865 für 24 Jahre auf der Zeche Hasenwinkel in Bochum-Linden. Etwa Ende 1989 wird er entlassen, angeblich wegen der Folgen eines Arbeitsunfalls. Die wahre Ursache seiner Entlassung dürfte aber seine Teilnahme am Streik der Ruhrbergarbeiter 1889 sein, wo er als Sprecher der Belegschaft seiner Zeche aufgetreten war. Nach seiner Entlassung erhält er eine Rente als Frühinvalide, die wie in jener Zeit üblich, so gering war, dass sie gerade fürs Überleben reicht. Er lebt fortan in großer Armut.

Die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Bergbau erlebte Heinrich Kämpchen durch seinen Vater und später am eigenem Leib. Schon früh engagierte er sich für die Rechte der Bergleute. Politisch stand er der Sozialdemokratie nahe. Mit Inkrafttreten der Sozialistengesetze 1878 kam er auf die Schwarze Liste, polizeiliche Überwachungslisten, die im Rahmen der Verfolgung von Sozialdemokraten angelegt worden waren.

Heinrich Kämpchen war einer der talentiertesten sozialistischen Dichter seiner Zeit, der vor dem Hintergrund der herben Schönheit seines geliebten Ruhrgebiets mit großer Emotionalität die Sorgen und Nöte der Bergarbeiter thematisierte. Sein Werk ist gekennzeichnet durch die Bevorzugung einer politischen Lyrik mit deutlichen Bezügen zu tagespolitischen Geschehnissen. Seit 1989 erscheinen seine Werke regelmäßig in der wöchentlichen „Deutschen Bergarbeiter Zeitung“.

Heinrich Kämpchen war einer der ersten sozialkritischen Dichter, die selbst dem Arbeitermilieu entstammten. Viele seiner Gedichte geben die Arbeitsbedingungen des Bergmannes so anschaulich-konkret wieder wie es nur ein Autor schildern kann, der selbst unter Tage gearbeitet hat.

Heinrich Kämpchen unterhielt eine freundschaftliche Beziehung zu Georg Breuker, ebenfalls Bergmann und sozialkritischer Dichter in Bochum. An Georg Breuker erinnert der Jörgenstein im Weitmarer Holz.

In Bochum-Linden ist eine Straße und eine Hauptschule nach ihm benannt. An dem Wohnhaus, wo er als unverheirateter Kostgänger lebte, ist eine Gedenktafel angebracht (Dr.-C.-Otto-Str 46).

Sein Grab auf dem katholischen Friedhof Linden wurde 1989 als Ehrengrab gestaltet und mit einer von Tisa von der Schulenburg gestalteten Grabplatte versehen.

Erst im Alter von 46 Jahren trat Tisa von der Schulenburg 1950 als Schwester Paula in das Dorstener Kloster St. Ursula ein. Nach 13 Jahren Tätigkeit als Kunstlehrerin widmete sie sich ab 1962 ganz ihrer Kunst.

Das künstlerische Werk von Tisa von der Schulenburg bewegt sich formal zwischen Zeichnung und Plastik. Das Relief - die „Zeichnung in Holz, Stein oder Bronze“ - wurde ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel.

Neben religiösen Themen waren vor allem Not und Elend des Krieges, Flüchtlinge, Judenverfolgung und Vernichtung ihre Themen. Sie begann ihre Reliefarbeiten in Bronze- und Aluminiumguss auszuführen. Ihre Solidarität mit den Arbeitern und Arbeitslosen weitete sich zu einem sozialen Engagement für alle Leidenden. Immer, wenn sie von Leid und Elend anderer Menschen erfuhr, verarbeitete sie die Eindrücke in Bildern oder Plastiken.

In Bochum findet sich ein von ihr gestaltetes Relief im Eingangsbereich des Hauses der IG BCE an der Alten Hattinger Straße 19.

Standort:
Kath. Friedhof Linden
Nöckerstraße
44879 Bochum

Siehe auch:

Nachlesen:
Wikipedia: Heinrich Kämpchen
Wikipedia: Tisa von der Schulenburg
Tisa von der Schulenburg

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Chronologie 1839-1914

1839  Die Kohleförderung überschreitet im Ruhrgebiet die Millionen-Tonnen-Grenze.

1842  Jacob Mayer gründet mit dem Kaufmann Eduard Kühne die Gußstahlfabrik Mayer & Kühne.

1842  Der erste Tiefbauschacht Deutschlands wird auf der Zeche Präsident eingeweiht.

1843  Aktiengesellschaften werden möglich.

1844  Erste Werkssiedlung: Eisenheim in Oberhausen.

1847  Die Köln-Mindener Eisenbahn führt nördlich um das Ruhrgebiet. Die Herner Straße wird wichtigste Verkehrsachse zum Bahnhof Herne-Bochum.

1848  Das St. Elisabeth Hospital wird als erstes Bochumer Krankenhaus eröffnet.

1849  Erster Hochofen mit Ruhrkoks (Mühlheim).

1849  „In den Rheinlanden und Westfalen“ werden etwa 650 Dampfmaschinen gezählt.

1850-60  Hochkonjunktur im Revier. Zahlreiche Großschachtanlagen werden gegründet.

1850  Grubenpferde werden unter Tage zum Kohlentransport eingesetzt.

1851  Die spätere Bochumer Eisenhütte Heintzmann wird von den Geschäftsleuten Korte und Heintzmann gegründet.

1852  Krupp erfindet den nahtlosen Radreifen für die Eisenbahn.

1852  Die Firma Mayer & Kühne präsentiert auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung der Weltöffentlichkeit erstmals Produkte aus Stahlformguss in Form von drei Glocken.

1854  Die Firma Mayer & Kühne wird in die Aktiengesellschaft „Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation“ umgewandelt.

1855  In Bochum entsteht das erste Gaswerk der Provinz Westfalen.

1855  Johann Joachim Schlegel beginnt die „Bayerische Bierbrauerei“ in Bochum.

1858  Bochum zählt 8.797 Einwohner und hat ca. 6 km² Fläche.

1858  Die Seilfahrt für Personen wird zugelassen.

1858  Die Firma Seippel in Bochum produziert Sicherheitsgrubenlampen.

1860  Bochum wird an die Bergisch-Märkische Eisenbahn von Dortmund nach Duisburg angeschlossen.
„Am 10. Oktober 1860 läuft in Bochum erstmalig - und daher mit Böllerschüssen begrüßt - eine Lokomotive ein.“

1862  Erste Bessemer-Birne zur Stahlerzeugung (Krupp-Stahl, Essen)

1864  Die ersten Häuser der Arbeitersiedlung Stahlhausen werden errichtet.

1864  Die Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH (Bochum) wird von Johann Henrich Carl Eickhoff als Gießerei gegründet.

1869  Erster Siemens-Martin-Ofen (Krupp-Stahl, Essen)

1870  Kohlensammelbahn (BME) Langendreer - Laer - Hattingen - E-Steele eröffnet (heute Radweg).

1870  Bochum hat 17.585 Einwohner.

1870  Bochum bekommt ein städtisches Wasserwerk.

1870  Dr. Carlos Otto entdeckt die Kohlechemie.

1871  Bochum hat etwa 21.000 Einwohner.

1871  Nach erfolgreichem Einsatz im deutsch-französischen Krieg werden patriotische Brieftaubenvereine gegründet.

1871  „In den Rheinlanden und Westfalen“ sind etwa 12.000 Dampfmaschinen in Betrieb.

1872  Das Arbeiterwohnheim Kosthaus in Stahlhausen mit 1.200 Schlafplätzen wird eröffnet.

1873  Die deutsche Wirtschaftskrise erfasst auch Bochum.

1874  Anschluss an die Bahnstrecke der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Bahnhof Nord (Ostring).

1874-1877  Der Bochumer Stadtpark wird angelegt.

1878  Moritz Fiege braut Bier.

1879  Erste Thomas-Stahl-Öfen im Ruhrgebiet (Duisburg, Dortmund).

1880  Erste Pferdestraßenbahnen in Dortmund und Duisburg.

1880  Das Fahrrad spielt eine bedeutende Rolle als individuelles Verkehrsmittel.

1884  Erster Bochumer Radfahrverein gegründet, eine Radrennbahn wird gebaut.

1880  Erste (Steinkohlen) Brikettfabrik (Bochum, Dahlhauser Tiefbau).

1882  Im Bereich Dortmund sind 2.200 Grubenpferde im Einsatz, die 15.000 „Förderleute“ ersetzten.

1883  Erste Elektrolok unter Tage (Essen-Kray).

1883  Arbeiterbrausebäder (Duschen) beginnen auf den Zechen die Gemeinschaftsbecken zu ersetzen, deren Wasser nur 1-mal täglich gewechselt wurde.

1885  Bochumer Gespensterjagd.

1889  Bergarbeiterstreik. Der erste organisierte Massenstreik im Ruhrbergbau führt zur Gewerkschaftsbewegung und Arbeiterschutzgesetzen.

1890  Das Bergmannsheil, das erste Unfallkrankenhaus der Welt, wird eröffnet.

1892  Auf Zeche Mansfeld bei (Bochum-)Langendreer werden erste Versuche mit pressluftgetriebenen Abbauhämmern durchgeführt.

1894  Erste elektrische Straßenbahnen in Dortmund, Essen, Bochum und Herne.

1896  Bogestra gegründet.

1896  Der Schwimmverein Blau-Weiß Bochum wird am 16. März gegründet.

1898  Auf der Zeche Carolinenglück sterben bei einer Kohlenstaubexplosion am 17. Februar 116 Bergarbeiter.

1897/98  Elektrizitätswerke in Dortmund, Essen (RWE) und Bochum gegründet.

1898  Bochum und Laer sind mit einer elektrischen Straßenbahnlinie verbunden.

1898  Die „Westdeutsche Benzol-Verkaufsvereinigung“ in Bochum wird gegründet und verkauft den neuen Treibstoff „ARAL“ (Aromate und Aliphate).

1899  An der Ruhr wird die Schwimmbrücke Dahlhausen gebaut.

1899  Im Ständehaus Bochum bilden Vertreter der Emschergemeinden, des Ruhrbergbaus und der Industrie eine „Kommission zur Aufstellung eines generellen Entwässerungsprojekts für das Emschertal“.

1899  Der Ruhrtalsperrenverband wird gegründet. Zwischen 1894 und 1913 entstehen elf Talsperren.

1899  Erstes Schiffshebewerk in Henrichenburg eröffnet. Dortmund-Ems-Kanal fertiggestellt.

1900  Bochum hat etwa 65.000 Einwohner.

1900  Die Mechanisierung des Bergbaus beginnt.

1904  Der Herner Unternehmer Otto Heinrich Flottmann erhält das Reichspatent für einen Druckluft-Bohrhammer.

1904  Die Einwohnerzahl von Bochum hat sich seit 1867 knapp verfünffacht.

1904  Bochum wird durch Eingemeindungen Großstadt, zählt 116.596 Einwohner, darunter über 20.000 Bergarbeiter.

1904  Auf Zeche Zollern (Dortmund) erstmals elektrische Förderung.

1906  Siedlung Dahlhauser Heide (Kappskolonie).

1908  Erster Schrebergartenverein in Bochum (Ehrenfeld).

1909  Erstmals ein „Püttjunge“ auf dem Gymnasium in Bochum.

1909  Automobilisten gefährden den Verkehr.

1910  waren 8.384 Grubenpferde im Bezirk des Oberbergamtes Dortmund eingesetzt.

1912  112 Tote bei Schlagwetterexplosion auf Lothringen in Bochum.

1914  Bis zum Ersten Weltkrieg steigt die Jahresförderung (Ruhrgebiet) auf 114 Millionen Tonnen, gefördert von 440.000 Beschäftigten.

1914  Rhein-Herne-Kanal und erstes Teilstück des Datteln-Hamm-Kanals fertiggestellt.

1914-1918  Erster Weltkrieg. Die Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet macht Riesengewinne. Die Bevölkerung hungert.

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